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Rückschritt als Anlauf

Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Vielleicht war der Stress auch eine halbwegs willkommene Fluchtmöglichkeit. Ich kann mich damit ja momentan nicht auseinandersetzen, weil x oder y schon belastend genug ist. Letztlich muss ich es. Egal, wie die Situation drumherum sein mag. Es geht nicht, dass ich mir immer wieder diese Schlupflöcher suche und nicht einmal begreife, wozu diese Schlupflöcher dienen. Die Sache mit den Videos hat mich ziemlich von den Füßen gerissen, den Erfolg, den ich durch die Bilder hatte, hat es komplett geschmälert, wenn nicht gefühlsmäßig vollkommen negiert. Ich habe mich wohl selten so enttäuscht.

Nun habe ich überlegt, wie ich dennoch weiterarbeiten und mich aus dieser Schockstarre lösen kann, die mich da befallen hat. Ich kann und werde Videos suchen, bei denen man noch nichts sieht, ohne Ton. (bloß finde ich da überhaupt was ? Mir wird schon jetzt beim Blick auf Youtube mulmig) Das ist ein Anfang. Zwar ein erbärmlicher und ich wünschte, ich könnte steiler einsteigen, aber man sollte wohl auch nicht zuviel von sich erwarten. Es gibt wohl kaum einen größeren Misserfolgsgarant als zu hochgesteckte Ziele und Erwartungen. Man kann nur enttäuscht werden. Und vielleicht habe auch ich mir zuviel erhofft, habe auch ich gedacht, mit ein paar Konfrontationssitzungen werde ich spürbar lockerer sein. Aber nein. Eher bin ich dauernd angespannt.

Um endlich zuzunehmen und meine körperliche Fitness zu verbessern, zähle ich nun täglich Kalorien und dokumentiere mein Essverhalten. Eigentlich müsste ich pro Tag über 2000kcal zu mir nehmen, aber egal wie sehr ich mich anstrenge, bisher ist mir das nicht ein einziges Mal gelungen. Ich werde also demnächst in die Apotheke gehen und nach Fresubin fragen - einschlägig bekannte Drinks, die auch gern in Kliniken zur Stabilisierung Essgestörter oder im Altersheim verwendet werden. Ich möchte mich nicht mehr enttäuschen. Ich möchte körperlich nicht mehr zurückstecken, dafür bin ich einfach zu jung, dafür habe ich zuviel vor mir. 

11.4.11 14:40


Flieg nicht zu hoch.

Ich glaube, ich habe mich mit der Überzeugung, mir nächste Stunde Videos ansehen zu können, deutlich übernommen. Der Versuch, mir welche aus Youtube herauszusuchen führte gerade schon zu akuter Atemnot, Übelkeit und Beklemmungsgefühlen. Wie eine Lawine, die auf dich herniederrollt, ohne, dass du sie aufhalten kannst. Und ich bin geplättet, im negativen Sinne. Ist es zuviel ? Ich glaube kaum, dass ich so einer Situation standhalten könnte. Ja, zugegebenermaßen habe ich das auch bei den Fotos gedacht, aber die konnte ich mir wenigstens auch zuhause in der Auswahl ansehen, ohne, dass sofort Panik auftrat. Noch jetzt spukt die Angst in meinem Hintergrund, ohne, dass sie einen konkreten Gegenstand hat, auf den sie sich richtet. 

Wo liegt die Bedrohung ?

Wie üblich bringt ein Misserfolg alles andere ins Wanken. Ich hatte mich gestärkt gefühlt, sicherer, vielleicht auch ein bisschen stolz. Jetzt fühle ich mich schwach, unzulänglich und absolut feige. Was ich für möglich gehalten habe, scheint plötzlich in so weite Ferne gerückt, dass ich es sehenden Auges nicht mehr erkennen kann. Ist das Vermeidung ? Ist genau das etwas, worauf ich nicht hören sollte ? Vermutlich. Aber im Augenblick ist das Gefühl so stark, dass ich mir nicht vorstellen kann, mir am Mittwochmorgen diese Videos anzusehen. Schon der Gedanke daran schnürt mir die Kehle zu. Wie schnell Gefühle sich wandeln können ... 

10.3.11 20:41


Die Absurdität des Augenblicks

Ja, ich habe es hinter mich gebracht. Und ich lebe. Ganz gut sogar. Ich bin zwar mit einem sehr unangenehmen Gefühl in der Magengegend erwacht, konnte mich aber, bis etwa eine Stunde vor dem Termin, sehr gut ablenken. Dann wurde es schwierig. Ich begann zu frieren, zu zittern, hatte Schluckbeschwerden und war so nervös, dass ich nicht mehr stillsitzen konnte. Am liebsten wäre ich umgedreht, nach Hause gefahren und hätte die ganze Sache abgeblasen. Was man siebzehn Jahre ausgehalten hat, hält man doch sicher auch länger aus. Oder ? Theoretisch vielleicht schon, praktisch nicht. Also Hintern in den Bus geschwungen und losgefahren.

Dort angekommen übergab ich ihm also den USB-Stick mit den Bildern, die ich mühevoll aus dem Internet zusammengeklaubt hatte, ohne groß darüber nachzudenken. Es waren einige sehr delikate, ausnahmslos solche, auf denen man das Erbrechen auch erkennt und nicht nur erahnen kann. Auch er hatte noch einige zusammengetragen, allerdings auch solche, die mich gänzlich kalt ließen, weil man darauf lediglich Personen sah, die sich offensichtlich vor Übelkeit oder Schmerzen krümmten, das Gesicht verzogen oder schon neben dem Klo standen. Das konnte ich mir eigentlich problemlos ansehen. Schwieriger wurde es dann bei den Situationen, die die Menschen eindeutig beim Akt des Erbrechens zeigten. Das löste schon eine gewisse Übelkeit aus, Spannung und Angst, aber in einem Maße, was erträglich war. Ich bemerkte überdies, was für enorme Schwierigkeiten ich hatte, mich wirklich nur auf die Bilder zu konzentrieren. Ständig schweiften meine Gedanken ab - meine Güte, wer fotografiert Menschen in solchen Situationen ? Die hält ja beim Kotzen noch 'ne Zigarette in der Hand! Wäre es für den nicht sinnvoller gewesen, sich beim Kotzen vor's Klo zu knien, statt sich hinzustellen ? Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren, um sich nicht mit dem zu beschäftigen, was da vordergründig zu sehen war. 

Während ich also die Bilder betrachtete und versuchte, mich nur darauf zu konzentrieren, begann der Therapeut, auf mich einzureden. Diesem Mann war bestimmt sehr schlecht, er krümmt sich vor Übelkeit, haben Sie das auch mal erlebt ? Er spürt den bitteren Geschmack im Mund, spürt es in der Nase, wie es ihm die Kehle hochsteigt. Es riecht unangenehm. Dadurch, dass ich wusste, welchen Zweck dieses Gerede verfolgt - nämlich ganz bewusst und kontrolliert meine Anspannung zu steigern - war es nicht ganz so erfolgreich wie es hätte sein können. Aber es hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen, mich besser in die Situation hineinversetzen zu können. Nach fünfzig Minuten war der Spuk dann auch vorbei und ich glaube, ich habe mich ganz gut gehalten. Ich konnte weitgehend problemlos mit dem Bus nach Hause fahren und werde jetzt die Woche über beobachten, wie sich die Empfindungen entwickeln. Denn auch, wenn ich die Konfrontation durch die Bilder selbst ganz gut überstanden habe, haben sich die Bilder natürlich in mein Gedächtnis gebrannt. Nicht vordergründig, aber so, dass ich sie jederzeit wieder abrufen könnte. Wenn ich nun wieder einmal unterwegs bin und mir schlecht ist, werden sie wohl aus der Versenkung auftauchen und die Übelkeit verstärken. Das nächste Mal wollen wir uns allerdings kleinen Videoclips widmen. Das wird wesentlich delikater und schwieriger. 

Das Ende der Sitzung bot dann allerdings wenigstens etwas zu lachen für beide Seiten, als der Therapeut mich anblickte und sagte: Mir ist jetzt glatt ein bisschen schlecht.

 

9.3.11 20:18


Wo laufen wir denn los ?

Der erste Eintrag wird ein kurzer und lediglich einleitender sein.                     Dass ich jetzt beginnen will, meinen Weg zu dokumentieren - wenngleich ich natürlich auch vorher bereits etwas Arbeit und Überwindung investiert habe - hängt zweifelsohne damit zusammen, dass für morgen eine erste Konfrontationsübung angedacht ist, von der ich mir zwar keine Wunder, aber eine Situation verspreche, die es mir unmöglich macht, zu fliehen oder Ausreden zu suchen. 

Ich werde also durch Photographien mit dem angstauslösenden Objekt - dem Erbrechen - konfrontiert und muss dem standhalten, was da kommen möge. Die Expositionsarbeit in der Verhaltenstherapie setzt das Zustandekommen einer Panikattacke und das bewusste Beruhigen als Grundlage für eine Verbesserung. Selbstverständlich wird es nicht damit getan sein, sich zehn Sekunden ein Bild anzusehen, es geht um Habituation, um Gewöhnung und damit um die Erkenntis - es ist gar nicht so schlimm

Hoffentlich sind die Bereitschaft, sich zu überwinden und zu öffnen und der Mut, sich der Situation zu stellen größer als mein Verlangen, sie zu vermeiden, zu verhindern, zu boykottieren, zu analysieren und totzureden. Wir werden sehen.

8.3.11 14:31






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